Geschichte und Wissenswertes

Die Gemeinde Tülau, zu der die Orte Tülau-Fahrenhorst und Voitze gehören, liegt in Niedersachsen, 4 Kilometer entfernt von der Grenze zu Sachsen-Anhalt und rund 20 km nördlich von Wolfsburg. Die Kreisstadt Gifhorn befindet sich 25 km in westlicher Richtung.

Öffentliche Busverbindungen nach Wolfsburg und Gifhorn gibt es zumeist im Stundentakt.

Die Gemeinde Tülau ist an das Kreisradwegenetz angeschlossen. Zwischen Tülau und Bergfeld und in Voitze am Osterfeuerplatz gibt es Radfahrerschutzhütten.

- amtliche Einwohnerzahl
- Gesamtfläche:  23,53 km²
  (Tülau = 13,46 km², Voitze = 10,7 km²) 
 diverse Bilder und Impressionen finden Sie hier

Wappen der Gemeinde Tülau  
"Von Grün und Gold (Gelb) gespalten mit einem drei Pfeile enthaltenen Köcher in gewechselten Farben.“

Wappen

Ortsteil Tülau-Fahrenhorst

 Ortsteil Voitze

Die Geschichte des Dorfes Tülau-Fahrenhorst
Wer heute Tülau-Fahrenhorst besucht, wird nicht erkennen, wo der historische Ortskern liegt. Die heutige Ortsmitte an der Kirche ist erst in den Jahrzehnten vor und nach 1900 entstanden und liegt weit außerhalb des alten Dorfes. Das heutige Bauernende bildete das ursprüngliche Dorf, dem sich später Bauten östlich und südlich der Ortslage anschlossen. Das heutige Bauernende nannte man Hinterdorf (Hinnerdörp), die später gebauten Gehöfte Vordorf (Vordörp). Es ist heute auch nicht mehr zu erkennen, dass Tülau (das heutige Bauernende) ursprünglich ein Rundlingsdorf war. An der Lage des ehemaligen Kuhstalls auf dem Gehöft Vogel (Nr.12) und des Wohnhauses auf dem Gehöft Fischbeck (Nr.10) kann man die Ausdehnung des früheren Rundlings erkennen. In der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die neu errichteten Wohnhäuser vorgebaut, so dass anstelle der niedersächsischen Fachwerkhöfe Dreiseit- und Hakenhöfe aus Backstein entstanden, wodurch sich der Dorfplatz zu einer Straße verengte. Sowohl die Dorfform des Rundlings als auch der Name Tülau weisen darauf hin, dass Tülau eine slawische Gründung und damit Jahrhunderte älter ist, als es die Ersterwähnung im Jahre 1548 vermuten lässt. Tülau lag im Grenzgebiet zwischen Slawen und Sachsen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Bewohner wohl auch das Kriegshandwerk beherrschten, bedeutet doch der Ortsname Tülau „Köcherort". Auch der Name Fahrenhorst ist teilweise slawischen Ursprungs und weist auf eine schwarze, trockene Stelle in sumpfiger Umgebung. Fahrenhorst wurde erst nach 1520 als Vorwerk der Bromer Burg gebaut und bestand zunächst wohl nur aus dem Gutshof und der Holzmühle. Zur Tülauer Feldmark gehört auch die Wüstung Schürnau (slawischer Name); dieses aufgegebene Dorf lag südlich vom Tülauer Bahnhof im Bereich der heutigen Sandkuhle am Windrad. Die Erwähnung Tülaus im Jahre 1548 erfolgte im Zusammenhang mit einem Ereignis, das man die „Tülauer Ausbescheidung" nennt. Durch sie wurde Tülau mit Fahrenhorst aus dem Gericht Brome „ausbeschieden", also ausgegliedert und zu einem eigenständigen Gericht gemacht. Fritz VII. von der Schulenburg verkauft in diesem Vertrag Brome und die anderen Dörfer des Gerichts Brome und behält nur Tülau-Fahrenhorst für sich. 1643 übernimmt Friedrich von Weyhe Gut und Gericht Tülau-Fahrenhorst. In den späteren Urkunden wechseln sich die Bezeichnungen Tülau und Fahrenhorst für das neu geschaffene Gericht ab. Das Gericht Tülau-Fahrenhorst bestand - mit einer Unterbrechung in der napoleonischen Zeit - bis zum Jahre 1847, als allgemein die so genannten Patrimonialgerichte aufgelöst wurden. Es hatte die hohe und niedere Gerichtsbarkeit, was die Verhängung der Todesstrafe einschloss. Die Bezeichnung „Galgenfeld" für eine Feldflur zwischen Tülau-Fahrenhorst und Croya weist noch heute darauf hin. In Tülau und Fahrenhorst nimmt seit Mitte des 16. Jahrhunderts die Zahl der Höfe durch Teilung und Anbau stetig zu. 1550 werden sechs Vollhöfe und sechs Köther genannt, etwa 1610 kommen in der heutigen Schmiedestraße in Fahrenhorst vier neue Hofstellen hinzu, schließlich werden im Knesebecker Hausbuch von 1670 für Tülau-Fahrenhorst drei Voll-, zwei Dreiviertel-, sechs Halbhöfe und sechs Köthner aufgeführt, insgesamt also 17 Höfe. Alle Bauern sind dem Grund- und Gerichtsherrn untertan und leisten ihm Dienste und Abgaben, bis sie sich schließlich 1841 von diesen Verpflichtungen freikaufen können. Die Erweiterung des Dorfes schreitet in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Ansiedlung von zehn Grundsitzern in der Neihüüschen Reeg (Neuhäuserreihe, heute Neue Reihe) und in noch stärkerem Maße in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Errichtung von An- und Abbauernstellen weiter voran. Die Neuaufteilung der Feldmark unter den Bauern in der Generalteilung und Verkopplung in den Jahren 1836 bis 1856 und die Urbarmachung des Kiebitzmoores und anderer bis dahin brach liegender Flächen bieten Möglichkeiten zur Dorferweiterung. Als 1843 durch einen Brand der Rundling zerstört wird, siedeln sich zwei Bauern im Vordörp östlich des Rundlings neu an und überlassen ihre alten Hofflächen den Nachbarn. Aus dem Rundling wird eine Straße, das heutige Bauernende (s.o.). Die stetige Ansiedlung von Abbauern, welche oft auch Handwerker waren, die Gründung einer Molkereigenossenschaft im Jahre 1894 (bis dahin lieferten die Bauern ihre Milch in die von Weyhesche Gutsmolkerei), der Bau der OHE-Strecke Wittingen-Oebisfelde mit Bahnhof zwischen Zicherie und Tülau 1909 und die Gründung der Spar- und Darlehnskasse im Jahre 1914 wirkten sich vorteilhaft für die wirtschaftliche Entwicklung Tülau-Fahrenhorsts aus; nicht zu vergessen sei auch die Stärkefabrik in Croya, die den Bauern Absatzmöglichkeiten für ihre Kartoffeln brachte. Die Einwohnerzahlen stiegen entsprechend an: Von 270 Einwohner im Jahre 1811 kletterte die Zahl auf 348 (1848),458 (1885), 616 (1905), 706 (1925). Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Einwohnerzahl durch die Aufnahme von Flüchtlingen vorübergehend auf 1290 (1950) und fällt bis 1968 wieder auf 894 zurück. Die Tülauer gehörten zum ev. luth. Kirchspiel Brome-Altendorf und besuchten die Gottes- dienste abwechselnd in Brome und Altendorf, denn nur ein einziger Pastor mit Wohnsitz in Brome stand der großen Gemeinde zur Verfügung. Bis zum Jahr 1852 gehörte auch Steimke mit weiteren altmärkischen Dörfern dazu, so dass die Sonntagsgottesdienste abwechselnd in den drei Kirchen stattfanden, zu denen die Gläubigen zu Fuß oder Wagen pilgerten. Die Straßennamen „Altendorf Weg" und „Steimker Straße" erinnern noch heute an die frühere Zeit. Erst im Jahre Jahre 1930 bauten sich die Tülauer, u.a. auch unterstützt von Voitzer Familien, eine eigene Kirche. Die Toten wurden auf dem Altendorfer Friedhof bestattet, bis Mitte des 19. Jahrhunderts Tülau-Fahrenhorst einen eigenen Friedhof vor dem Dorf am Wege nach Steimke erhielt. Von einer Schule in Tülau-Fahrenhorst ist erstmals 1692 in einem Schreiben des damaligen Bromer Pastors Ebeling die Rede. Er berichtet dem Konsistorium in Celle von den schulischen Verhältnissen in seinem Kirchspiel und spart nicht mit Klagen über die katastrophalen Verhältnisse. Er wirft den Bauern in den umliegenden Dörfern vor, dass sie nichts für ihre Schulen übrig hätten und ihre Kinder nur unregelmäßig zur Schule schickten. Er gibt die Klage der Lehrerin in Tülau-Fahrenhorst wieder, die sich darüber beschwert, dass die Bauern noch nicht einmal das Brennholz zum Heizen der Schule lieferten. Im 19. Jahrhundert besserten sich die Zustände. Bevor im Jahre 1896 die neue zweiklassige Volksschule an der Hauptstraße errichtet wurde, gab es ein Schulgebäude in der Schulstraße (daher der heutige Straßenname!) und vorher am Maschweg (soweit bekannt). Die neue Schule erhielt, wie alle damaligen Schulbauten in Orten ohne eigene Kirche, einen Glockenturm, so dass vor allem das Totengeläut und das 18-Uhr-Läuten am Sonnabend durchgeführt werden konnten. Der Bau des VW-Werkes in Wolfsburg und die Mechanisierung der Landwirtschaft hatten seit den 1950er Jahren umwälzende Folgen für die Sozialstruktur in Tülau-Fahrenhorst. Die in der Landwirtschaft frei werdenden Arbeitskräfte fanden gut bezahlte Arbeitplätze im Werk, und bald übertraf die Zahl der Pendler die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten. Im Jahre 2008 gibt es nur noch acht landwirtschaftliche Betriebe, die überwiegend als Familienbetriebe geführt werden. Viele Eigenheime wurden gebaut, so dass schon 1968 von 163 Gebäuden 37 nach 1948 entstanden sind. Im Jahre 1974 ist Tülau-Fahrenhorst im Zuge der Verwaltungsreform mit Voitze zur neuen Gemeinde Tülau vereinigt worden, die Mitglied der Samtgemeinde Brome ist.

Der Ortsteil Voitze stellt sich vor
Das Dorf Voitze, jetziger Ortsteil von der Gemeinde Tülau, dürfte als Rundlingsdorf zwischen dem 6. –  8. Jahrhundert entstanden sein.  Es gehörte vermutlich zu einem der westlich gelegenen Orte, die den befestigten Ort Brome von Westen her sicherte.
Bei dem Namen, der aus dem slawischen kommt,  handelt es sich um einen Kriegernamen und bedeutete so viel wie „ Leute oder Ort des Voj (Kriegers)“.
Die erste geschichtliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1337. Hier übertrug Huner von Knesebeck dem Arnold von Bodenstedt zwei Höfe.
Das Dorf Voitze erlebte in den folgenden Jahrhunderten eine recht lebhafte Geschichte in stetem Wechsel der Grundherren.
Eine Hälfte des Dorfes  gehörte brandenburgischen und die andere Hälfte  lüneburgischen Grundherren.
Im Dreißigjährigen Krieg hinterließen Tillys Truppen im Jahre 1628 ein schwer geschädigtes Dorf Voitze und zwar hier im lüneburgischen Teil.
Eine Spendenliste von 1688 gibt den Hinweis, dass Voitzer für eine Kirchenglocke in Altendorf spendeten und die Kirche Altendorf auch für Kirchgänger aus  Voitze zuständig war.
Erwähnenswert ist, dass in Voitze von 1690 – 1710 eine Hirtenkote  (ein Asyl für uneheliche Mütter) entstanden war. Hier konnten Mütter aus  der Umgebung ihre unehelichen Kinder zur Welt bringen, ohne von der Gerichtsbarkeit  für diese damals „ungesetzlichen Geburten“  bestraft werden zu können. Dieser Freiplatz entstand mitten auf der Straße außerhalb der umzäunten Hofflächen zwischen dem brandenburgischen und lüneburgischen Teil am östlichen Ortsausgang. Keiner der beiden Gerichtsbarkeiten fühlte sich für diesen Ort zuständig.
Im Jahre 1733 und 1770 kam es zwischen den Gemeinden Voitze und Wiswedel zu einem heftigen Streit über bestehende Weidelandgrenzen (Grenzsteine waren nicht vorhanden), der gerichtlich entschieden werden musste. Gleiches erfolgte einige Zeit später zwischen Voitze und Ehra.
Die Topographische Landesaufnahme, die Grenzstreitigkeiten ein Ende setzte, begann ab dem Jahre 1779.
Die Verkoppelung mit Aufteilung der Flächen erfolgte dann im Jahre 1862. Diese brachte in der Folgezeit eine weitgehende Veränderung des Ortsbildes  und eine weitere Bebauung, die in Grundzügen der jetzigen Bebauung entspricht. Das Oval des Rundlingsdorfes verschwand und es bildete sich ein Straßendorf.
Im Ersten Weltkrieg hatte das Dorf, das ca. 270 Einwohner hatte, 18 Gefallene zu beklagen.
Auch bis zum Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Dorf nur unwesentlich.
Im Zweiten Weltkrieg verlor das Dorf 28 Männer. Während der Besetzung im Jahre 1945 durch ausländische Streitkräfte wurden drei weitere Männer getötet, so dass fast jeder 4 – 5 männliche Voitzer durch den Krieg ums Leben kam.
Des Weiteren wurden zwei Hofstellen in Voitze, darunter eine Gaststätte, in Brand gesetzt und durch das Feuer zerstört.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Einwohnerzahl in Voitze durch Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten.
Viele von Ihnen fanden zunächst in den vorhandenen Häusern notdürftig Unterkünfte. Anfang der 50er Jahre entwickelte sich das Volkswagenwerk immer mehr und auch die Bauwirtschaft nahm ihren Aufschwung, so dass viele hier Arbeit fanden.
Daraus resultierte dann, dass diese Familien sich wieder eigene Wohnungen schaffen wollten.
Da zu dieser Zeit in Voitze nicht ausreichende Baulandflächen zur Verfügung standen, so dass viele dieser Flüchtlingsfamilien, die vermutlich gern in Voitze  geblieben wären, in den Gemeinden in der Nachbarschaft Häuser bauten.  
Es entwickelte sich in der Nachkriegszeit ein reges Vereinsleben mit der Gründung bzw. Wiedergründung von Vereinen und kultureller Einrichtungen: Schützenverein, Feuerwehr, Männerchor, Frauenchor, Sportverein, Reiterverein, Landjugend, Junge Gesellschaft, Schießgruppe.

Voitze liegt in Niedersachsen am südöstlichen Bereich der Lüneburger Heide im ehemaligen Zonenrandgebiet, ca. 4 km von der Grenze zu Sachsen-Anhalt entfernt und ca. 20 km nördlich von Wolfsburg. Die Kreisstadt Gifhorn befindet sich ca.  25 km in westliche Richtung. Überregional ist der Ort durch die B 248, die durch den Ort führt, verkehrlich erschlossen. Öffentliche Busverbindung gibt es zumeist im Stundentakt zu der Stadt Wolfsburg und zu der Kreisstadt Gifhorn. Im westlichen Bereich schließt sich ein größeres Waldgebiet, das als Naherholungsgebiet genutzt werden kann, an. 

Die Gemarkungsfläche Voitze beträgt ca. 10,7 qkm. Diese Flächen werden fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Die weitaus größte Fläche besteht aus Ackerland. Es folgen Wald- u. Grünflächen. Die Grünlandflächen sind zusammen mit dem Viehbestand erheblich zurück gegangen.

Von 49 landwirtschaftlichen Betrieben, die 1949 vorhanden waren, betreiben heute nur noch 4 Großbetriebe die Landwirtschaft.

Milchviehwirtschaft, die früher fast in jedem ldw. Betrieb vorhanden war, gibt es in Voitze nicht mehr.

In der Nachkriegszeit entstanden in Voitze auch mehrere gewerbliche Betriebe, wie Maurerbetrieb, Sägerei mit Zimmerei, 2 Tischlereien, Landmaschinenwerkstatt mit Schmiede, 2 Gaststätten und 2 Gemischtwarengeschäfte.

Von den hier aufgeführten Gewerbetrieben sind heute sind heute noch zwei erfolgreiche Unternehmen vorhanden bzw. neu angesiedelt. Es handelt sich hierbei um einen Landmaschinenbetrieb sowie um eine Autoreparaturwerkstatt mit Neu- u. Gebrauchtwagenverkauf.

Im Jahre 1965  bauten die damals noch eigenständigen Gemeinden Wiswedel, Tülau und Voitze in Voitze eine Dörfergemeinschaftsschule, in der die Kinder aus diesen Orten beschult wurden. 

Die Schule wird heute als Grundschule  (1 – 4 Klasse) von den Kindern aus Tülau und Voitze genutzt.

Nach Ausgliederung von Schulklassen (ab 5. Klasse) wurden im Jahre 1973 zwei der Schulpavillions umgebaut und als Kindergarten genutzt.

Im Jahre 1974 vereinigte sich die bis dahin eigenständige Gemeinde Voitze im Zuge der Verwaltungsreform mit der Gemeinde Tülau-Fahrenhorst zu der Gemeinde Tülau.

Sie gehört seit 1974 zur Samtgemeinde Brome.

Heute gibt es im Ortsteil Voitze nachfolgend aufgeführte öffentliche  Gebäude  und Anlagen: Ehrenmal, Grundschule, Kindergarten mit Kinderkrippe, Feuerwehrgerätehaus, Schützenplatz mit Schützenhaus und Luftgewehrschießstand, Turn- u. Gymnastikhalle, Jugendtreff, Sportheim mit Sportplatz.

Des Weiteren steht eine Gaststätte mit Clubräumen und Saal für Veranstaltungen und Feiern zur Verfügung.

In nachfolgend aufgeführten örtlichen Vereinen und Institutionen kann man Freizeitbeschäftigungen finden und sich einbringen:
Sportverein Tülau/Voitze (Fusion 1972), Feuerwehr, Gesangverein (Gemischter Chor) Schützenverein, Schießgruppe, Junge Gesellschaft.

Die Vereine und Institutionen werden sicher die von ihnen durchgeführten Veranstaltungen näher erläutern und sind um neue Mitglieder bemüht.

 

 

Bräuche
Einige Bräuche haben sich in Tülau-Fahrenhorst bis in unsere Zeit erhalten, doch es wird deutlich, dass manche sich in den letzten Jahrzehnten, wohl wegen der Wandlung des Ortes vom Bauern- zum Pendlerdorf,  verändert haben. Viele Neubürger beteiligen sich nicht an den Aktionen oder sind ihnen sogar feindlich gesonnen. Letzteres ist insbesondere bei den Umzügen an Faslam und Pfingsten festzustellen, bei denen Gaben an der Haustür erbeten werden. Die Bräuche in Tülau-Fahrenhorst ähneln denen in Voitze, haben jedoch einige Unterschiede.

„Bräuche“  
im Dorf Voitze im Wandel des Jahres und der Zeit

Faslam
Der Brauch wird auch in Tülau-Fahrenhorst von der Jungen Gesellschaft durchgeführt. Hier gibt es keinen Tanzbären. Die jungen Männer ziehen kostümiert von Haus zu Haus. Statt Eiern und Wurst geben die Leute heutzutage  meistens einen kleinen Geldbetrag.  Mittags findet  in einer der beiden Gaststätten für alle Einwohner des Dorfes das Eierbackessen statt, das von den jungen Mädchen vorbereitet worden ist. 

„Fasloam“
Dieses alte Brauchtum wird von der Voitzer Dorfjugend (Junge Gesellschaft) bis zum heutigen Tage aufrechterhalten. Anfang Februar eines jeden Jahres versammeln sich die jungen Burschen zum Einkleiden des Bären in der Dorfgaststätte. Der Bär wird von zwei Burschen durch das Dorf geführt, gefolgt von der Jugend in bunten Kostümen und Verkleidungen. Vor jeder Tür wird ein Halt eingelegt. Der Bär tanzt nach dem Gesang der Kostümierten. Die beiden Kiepen- u. Wurstgabelträger sammeln die Gaben der Hausfrauen ein (Einer, Speck, Wurst u. a.). Dazu gibt es ab u. an einen Schnaps aus der Flasche. Gegen 13.00 Uhr endet der Umzug  vor dem Saal der Gaststätte. Zu dem anschließenden Eierbackessen , das von den Mädchen vorbereitet wird,  ist die Dorfbevölkerung eingeladen.  Heute findet nach dem Eierbackessen ein Kinderfasching für die Kinder des Dorfes statt.

 

Osterfeuer
Beim Osterfeuer wird der Wandel in der Durchführung eines Brauches sichtbar. Das Osterfeuer fand  in Tülau-Fahrenhorst bis in die 1960er Jahre am Ostersonntag statt -  wie überhaupt alle Osterfeuer in unserer Gegend. Für unsere Vorfahren wäre es undenkbar gewesen, am Karsonnabend, also  dem letzten Tag in der Stillen Woche, ein lautes Fest zu feiern – mit Festzelt, alkoholischen Getränken, Bratwurststand und Musik, wie das jetzt üblich geworden ist. Vielleicht sollte man auch in Tülau-Fahrenhorst wieder auf den alten Termin zurückkehren, zumal der Grund, aus dem vor etwa vierzig Jahren der Sonnabend vor Ostern gewählt wurde, nicht mehr besteht. Bis in die 1960er Jahre wurde neben  dem sonntäglichen Osterfeuer nämlich  ein Tanzabend am Ostermontag veranstaltet. Mittlerweile war aber aus dem landwirtschaftlich geprägten Tülau-Fahrenhorst ein Dorf von Pendlern geworden und es wünschten sich viele, die am Dienstag wieder zur Arbeit ins VW-Werk fahren mussten,  eine Verlegung des Balles. So kam man auf die Idee, das Tanzvergnügen auf den Ostersonntag zu legen. Es zeigte sich jedoch, dass nun die Gäste erst sehr spät auf der Tanzfläche erschienen, weil sie zuvor mit ihren Kindern noch beim Osterfeuer gewesen waren. Als Ausweg bot sich die Verlegung des Osterfeuers  auf den Karsonnabend an. Inzwischen gibt es in Tülau längst keinen Ostertanz mehr, doch das Osterfeuer findet - gegen alle Tradition – weiterhin am Sonnabend statt. Es wäre zu überlegen, ob man nicht wieder zur jahrhundertealten Tradition zurückkehren sollte.

Osterfeuer
Am  Abend des ersten Ostertages wird auf dem Osterfeuerplatz ein Osterfeuer entzündet. Schon Wochen vorher wird trockenes Holz auf dem Platz aufgeschichtet. Dieser Brauch wird von jeher von der Jungen Gesellschaft vorbereitet und auch durchgeführt. Am Abend ziehen alt und jung zum Osterfeuerplatz und ringsherum am Horizont leuchten die Flammen anderer Osterfeuer durch die Nacht. Vor Ort gibt es dann ausreichend Gegrilltes und auch vielerlei Getränke.  

 

Maibaum
Auch in Tülau-Fahrenhorst hat sich in den letzten Jahren  das Aufstellen eines Maibaumes durch die Junge Gesellschaft eingebürgert. Dazu wird die Bevölkerung des Dorfes mit Handzetteln eingeladen. 

Maibaumpflanzen
Dieser alte Brauch, der in unserem Ort schon teilweise in Vergessenheit geraten war, wird heute wieder von den Jungen Leuten des Ortes gepflegt. Am Abend vor dem 1. Mai ist zum Schmücken und dem anschließenden Aufstellen des Maibaumes (Birke) die Dorfbevölkerung  eingeladen.

 

Fischermeier und Maibraut
Am Vormittag des ersten Pfingsttages ziehen die Kinder, angeleitet von Mitgliedern des Schützenvereins, von Haus zu Haus und singen Mailieder, Dafür erhalten sie kleine Geldbeträge, die zur Deckung der Kosten des Kinderschützenfestes verwendet werden.
Fischermeier: Die Jungen führen einen mit grünen Zweigen  besteckten Handwagen mit sich, in welchem ein kleiner Junge verborgen ist. Der Name dieses „ Fischermeier“ bleibt bis zum Abschluss des Umzuges geheim.
Maibraut: Zu den größeren Mädchen gesellen sich kleinere, die, blumenbekränzt, zu einem vor jedem Haus gesungenen Lied im Reigen tanzen. Bis in die 1950er Jahre haben sich die Konfirmandinnen je ein kleines Mädchen aus dem ersten oder zweiten Schuljahr ausgesucht, das als Maibraut tanzen durfte. Während alle anderen Mädchen vor der Haustür das Mailied singen, drehen sich die Maibräute paarweise im Kreise. Da der Ort inzwischen so gewachsen ist, dass es unmöglich ist, mit nur einer Gruppe am Vormittag alle Häuser zu besuchen, haben sich die Gruppen aufgeteilt und es sind jeweils zwei Gruppen unterwegs. Eine der Jungengruppen muss allerdings ohne den Fischermeier durchs Dorf ziehen.

Pfingstbrauch
Am Abend vor Pfingsten haben die Bewohner vor ihren Häusern und Hoftoren Birkensträucher zur Zierde aufgestellt um böse Geister zu vertreiben. Die Nacht zum Pfingstsonntag wird von der Dorfjugend als  „Freie Nacht“  zu allerhand Schabernack genutzt. Früher wurden den Mädchen und Frauen die Melkschemel versteckt und an einem zentralen Ort gesammelt. Weiterhin wurden  Zäune, Garten- u. Hoftore ausgehängt und an andere Orte verbracht.

Pfingstsingen
Am Morgen des Pfingstsonntags werden die Bewohner durch den hellen Gesang von Kindern des Ortes geweckt. In Begleitung von Mitgliedern des Schützenvereins und zahlreicher Eltern ziehen Kinder bis zu einem Alter von ca. 14 Jahren von Haus zu Haus. Sie singen dabei fröhliche Maien- u. Frühlingslieder, um die helle Jahreszeit einzuleiten. Kleine Mädchen sind als Maibräute mit einem Blumenkranz im Haar geschmückt. Als Dank erhalten sie Geldspenden zur Gestaltung des Kindertanzens anlässlich des Schützenfestes.

 

 


 

Erntetanz und „Vergodendeel“
Mit dem Frühling und dem Sommer begann für die Dorfbewohner eine arbeitsreiche Zeit in Haus und Garten, auf Hof und Feld. Die Mühe sollte mit einer reichhaltigen Ernte belohnt werden. Deshalb wurde auch die Erntezeit zu einer Festzeit im Brauchtum der Bauern.  

Als Dank für die eingebrachte Ernte wurden die Erntehelfer von den Bauern  mit gutem Essen und Trinken bewirtet. Während der Erntetanz nach der Getreideernte stattfand, wurde im Herbst nach Einbringen der Kartoffelernte  „Vergodendeel“ gefeiert. Leider wird der Brauch in der heutigen Zeit nicht mehr aufrechterhalten.

Verfasser:
Joachim Pape, Tülau 2008
Verfasser:
Siegurd Jaeger, Voitze
Udo Harms, Voitze