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Die Geschichte des Dorfes Tülau-Fahrenhorst
Wer heute Tülau-Fahrenhorst besucht, wird nicht erkennen, wo der historische Ortskern liegt. Die heutige Ortsmitte an der Kirche ist erst in den Jahrzehnten vor und nach 1900 entstanden und liegt weit außerhalb des alten Dorfes. Das heutige Bauernende bildete das ursprüngliche Dorf, dem sich später Bauten östlich und südlich der Ortslage anschlossen. Das heutige Bauernende nannte man Hinterdorf (Hinnerdörp), die später gebauten Gehöfte Vordorf (Vordörp). Es ist heute auch nicht mehr zu erkennen, dass Tülau (das heutige Bauernende) ursprünglich ein Rundlingsdorf war. An der Lage des ehemaligen Kuhstalls auf dem Gehöft Vogel (Nr.12) und des Wohnhauses auf dem Gehöft Fischbeck (Nr.10) kann man die Ausdehnung des früheren Rundlings erkennen. In der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die neu errichteten Wohnhäuser vorgebaut, so dass anstelle der niedersächsischen Fachwerkhöfe Dreiseit- und Hakenhöfe aus Backstein entstanden, wodurch sich der Dorfplatz zu einer Straße verengte. Sowohl die Dorfform des Rundlings als auch der Name Tülau weisen darauf hin, dass Tülau eine slawische Gründung und damit Jahrhunderte älter ist, als es die Ersterwähnung im Jahre 1548 vermuten lässt. Tülau lag im Grenzgebiet zwischen Slawen und Sachsen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Bewohner wohl auch das Kriegshandwerk beherrschten, bedeutet doch der Ortsname Tülau „Köcherort". Auch der Name Fahrenhorst ist teilweise slawischen Ursprungs und weist auf eine schwarze, trockene Stelle in sumpfiger Umgebung. Fahrenhorst wurde erst nach 1520 als Vorwerk der Bromer Burg gebaut und bestand zunächst wohl nur aus dem Gutshof und der Holzmühle. Zur Tülauer Feldmark gehört auch die Wüstung Schürnau (slawischer Name); dieses aufgegebene Dorf lag südlich vom Tülauer Bahnhof im Bereich der heutigen Sandkuhle am Windrad. Die Erwähnung Tülaus im Jahre 1548 erfolgte im Zusammenhang mit einem Ereignis, das man die „Tülauer Ausbescheidung" nennt. Durch sie wurde Tülau mit Fahrenhorst aus dem Gericht Brome „ausbeschieden", also ausgegliedert und zu einem eigenständigen Gericht gemacht. Fritz VII. von der Schulenburg verkauft in diesem Vertrag Brome und die anderen Dörfer des Gerichts Brome und behält nur Tülau-Fahrenhorst für sich. 1643 übernimmt Friedrich von Weyhe Gut und Gericht Tülau-Fahrenhorst. In den späteren Urkunden wechseln sich die Bezeichnungen Tülau und Fahrenhorst für das neu geschaffene Gericht ab. Das Gericht Tülau-Fahrenhorst bestand - mit einer Unterbrechung in der napoleonischen Zeit - bis zum Jahre 1847, als allgemein die so genannten Patrimonialgerichte aufgelöst wurden. Es hatte die hohe und niedere Gerichtsbarkeit, was die Verhängung der Todesstrafe einschloss. Die Bezeichnung „Galgenfeld" für eine Feldflur zwischen Tülau-Fahrenhorst und Croya weist noch heute darauf hin. In Tülau und Fahrenhorst nimmt seit Mitte des 16. Jahrhunderts die Zahl der Höfe durch Teilung und Anbau stetig zu. 1550 werden sechs Vollhöfe und sechs Köther genannt, etwa 1610 kommen in der heutigen Schmiedestraße in Fahrenhorst vier neue Hofstellen hinzu, schließlich werden im Knesebecker Hausbuch von 1670 für Tülau-Fahrenhorst drei Voll-, zwei Dreiviertel-, sechs Halbhöfe und sechs Köthner aufgeführt, insgesamt also 17 Höfe. Alle Bauern sind dem Grund- und Gerichtsherrn untertan und leisten ihm Dienste und Abgaben, bis sie sich schließlich 1841 von diesen Verpflichtungen freikaufen können. Die Erweiterung des Dorfes schreitet in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Ansiedlung von zehn Grundsitzern in der Neihüüschen Reeg (Neuhäuserreihe, heute Neue Reihe) und in noch stärkerem Maße in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Errichtung von An- und Abbauernstellen weiter voran. Die Neuaufteilung der Feldmark unter den Bauern in der Generalteilung und Verkopplung in den Jahren 1836 bis 1856 und die Urbarmachung des Kiebitzmoores und anderer bis dahin brach liegender Flächen bieten Möglichkeiten zur Dorferweiterung. Als 1843 durch einen Brand der Rundling zerstört wird, siedeln sich zwei Bauern im Vordörp östlich des Rundlings neu an und überlassen ihre alten Hofflächen den Nachbarn. Aus dem Rundling wird eine Straße, das heutige Bauernende (s.o.). Die stetige Ansiedlung von Abbauern, welche oft auch Handwerker waren, die Gründung einer Molkereigenossenschaft im Jahre 1894 (bis dahin lieferten die Bauern ihre Milch in die von Weyhesche Gutsmolkerei), der Bau der OHE-Strecke Wittingen-Oebisfelde mit Bahnhof zwischen Zicherie und Tülau 1909 und die Gründung der Spar- und Darlehnskasse im Jahre 1914 wirkten sich vorteilhaft für die wirtschaftliche Entwicklung Tülau-Fahrenhorsts aus; nicht zu vergessen sei auch die Stärkefabrik in Croya, die den Bauern Absatzmöglichkeiten für ihre Kartoffeln brachte. Die Einwohnerzahlen stiegen entsprechend an: Von 270 Einwohner im Jahre 1811 kletterte die Zahl auf 348 (1848),458 (1885), 616 (1905), 706 (1925). Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Einwohnerzahl durch die Aufnahme von Flüchtlingen vorübergehend auf 1290 (1950) und fällt bis 1968 wieder auf 894 zurück. Die Tülauer gehörten zum ev. luth. Kirchspiel Brome-Altendorf und besuchten die Gottes- dienste abwechselnd in Brome und Altendorf, denn nur ein einziger Pastor mit Wohnsitz in Brome stand der großen Gemeinde zur Verfügung. Bis zum Jahr 1852 gehörte auch Steimke mit weiteren altmärkischen Dörfern dazu, so dass die Sonntagsgottesdienste abwechselnd in den drei Kirchen stattfanden, zu denen die Gläubigen zu Fuß oder Wagen pilgerten. Die Straßennamen „Altendorf Weg" und „Steimker Straße" erinnern noch heute an die frühere Zeit. Erst im Jahre Jahre 1930 bauten sich die Tülauer, u.a. auch unterstützt von Voitzer Familien, eine eigene Kirche. Die Toten wurden auf dem Altendorfer Friedhof bestattet, bis Mitte des 19. Jahrhunderts Tülau-Fahrenhorst einen eigenen Friedhof vor dem Dorf am Wege nach Steimke erhielt. Von einer Schule in Tülau-Fahrenhorst ist erstmals 1692 in einem Schreiben des damaligen Bromer Pastors Ebeling die Rede. Er berichtet dem Konsistorium in Celle von den schulischen Verhältnissen in seinem Kirchspiel und spart nicht mit Klagen über die katastrophalen Verhältnisse. Er wirft den Bauern in den umliegenden Dörfern vor, dass sie nichts für ihre Schulen übrig hätten und ihre Kinder nur unregelmäßig zur Schule schickten. Er gibt die Klage der Lehrerin in Tülau-Fahrenhorst wieder, die sich darüber beschwert, dass die Bauern noch nicht einmal das Brennholz zum Heizen der Schule lieferten. Im 19. Jahrhundert besserten sich die Zustände. Bevor im Jahre 1896 die neue zweiklassige Volksschule an der Hauptstraße errichtet wurde, gab es ein Schulgebäude in der Schulstraße (daher der heutige Straßenname!) und vorher am Maschweg (soweit bekannt). Die neue Schule erhielt, wie alle damaligen Schulbauten in Orten ohne eigene Kirche, einen Glockenturm, so dass vor allem das Totengeläut und das 18-Uhr-Läuten am Sonnabend durchgeführt werden konnten. Der Bau des VW-Werkes in Wolfsburg und die Mechanisierung der Landwirtschaft hatten seit den 1950er Jahren umwälzende Folgen für die Sozialstruktur in Tülau-Fahrenhorst. Die in der Landwirtschaft frei werdenden Arbeitskräfte fanden gut bezahlte Arbeitplätze im Werk, und bald übertraf die Zahl der Pendler die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten. Im Jahre 2008 gibt es nur noch acht landwirtschaftliche Betriebe, die überwiegend als Familienbetriebe geführt werden. Viele Eigenheime wurden gebaut, so dass schon 1968 von 163 Gebäuden 37 nach 1948 entstanden sind. Im Jahre 1974 ist Tülau-Fahrenhorst im Zuge der Verwaltungsreform mit Voitze zur neuen Gemeinde Tülau vereinigt worden, die Mitglied der Samtgemeinde Brome ist.
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Der Ortsteil Voitze stellt sich vor
Das Dorf Voitze, jetziger Ortsteil von der Gemeinde Tülau, dürfte als Rundlingsdorf zwischen dem 6. – 8. Jahrhundert entstanden sein. Es gehörte vermutlich zu einem der westlich gelegenen Orte, die den befestigten Ort Brome von Westen her sicherte.
Bei dem Namen, der aus dem slawischen kommt, handelt es sich um einen Kriegernamen und bedeutete so viel wie „ Leute oder Ort des Voj (Kriegers)“.
Die erste geschichtliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1337. Hier übertrug Huner von Knesebeck dem Arnold von Bodenstedt zwei Höfe.
Das Dorf Voitze erlebte in den folgenden Jahrhunderten eine recht lebhafte Geschichte in stetem Wechsel der Grundherren.
Eine Hälfte des Dorfes gehörte brandenburgischen und die andere Hälfte lüneburgischen Grundherren.
Im Dreißigjährigen Krieg hinterließen Tillys Truppen im Jahre 1628 ein schwer geschädigtes Dorf Voitze und zwar hier im lüneburgischen Teil.
Eine Spendenliste von 1688 gibt den Hinweis, dass Voitzer für eine Kirchenglocke in Altendorf spendeten und die Kirche Altendorf auch für Kirchgänger aus Voitze zuständig war.
Erwähnenswert ist, dass in Voitze von 1690 – 1710 eine Hirtenkote (ein Asyl für uneheliche Mütter) entstanden war. Hier konnten Mütter aus der Umgebung ihre unehelichen Kinder zur Welt bringen, ohne von der Gerichtsbarkeit für diese damals „ungesetzlichen Geburten“ bestraft werden zu können. Dieser Freiplatz entstand mitten auf der Straße außerhalb der umzäunten Hofflächen zwischen dem brandenburgischen und lüneburgischen Teil am östlichen Ortsausgang. Keiner der beiden Gerichtsbarkeiten fühlte sich für diesen Ort zuständig.
Im Jahre 1733 und 1770 kam es zwischen den Gemeinden Voitze und Wiswedel zu einem heftigen Streit über bestehende Weidelandgrenzen (Grenzsteine waren nicht vorhanden), der gerichtlich entschieden werden musste. Gleiches erfolgte einige Zeit später zwischen Voitze und Ehra.
Die Topographische Landesaufnahme, die Grenzstreitigkeiten ein Ende setzte, begann ab dem Jahre 1779.
Die Verkoppelung mit Aufteilung der Flächen erfolgte dann im Jahre 1862. Diese brachte in der Folgezeit eine weitgehende Veränderung des Ortsbildes und eine weitere Bebauung, die in Grundzügen der jetzigen Bebauung entspricht. Das Oval des Rundlingsdorfes verschwand und es bildete sich ein Straßendorf.
Im Ersten Weltkrieg hatte das Dorf, das ca. 270 Einwohner hatte, 18 Gefallene zu beklagen.
Auch bis zum Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Dorf nur unwesentlich.
Im Zweiten Weltkrieg verlor das Dorf 28 Männer. Während der Besetzung im Jahre 1945 durch ausländische Streitkräfte wurden drei weitere Männer getötet, so dass fast jeder 4 – 5 männliche Voitzer durch den Krieg ums Leben kam.
Des Weiteren wurden zwei Hofstellen in Voitze, darunter eine Gaststätte, in Brand gesetzt und durch das Feuer zerstört.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Einwohnerzahl in Voitze durch Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten.
Viele von Ihnen fanden zunächst in den vorhandenen Häusern notdürftig Unterkünfte. Anfang der 50er Jahre entwickelte sich das Volkswagenwerk immer mehr und auch die Bauwirtschaft nahm ihren Aufschwung, so dass viele hier Arbeit fanden.
Daraus resultierte dann, dass diese Familien sich wieder eigene Wohnungen schaffen wollten.
Da zu dieser Zeit in Voitze nicht ausreichende Baulandflächen zur Verfügung standen, so dass viele dieser Flüchtlingsfamilien, die vermutlich gern in Voitze geblieben wären, in den Gemeinden in der Nachbarschaft Häuser bauten.
Es entwickelte sich in der Nachkriegszeit ein reges Vereinsleben mit der Gründung bzw. Wiedergründung von Vereinen und kultureller Einrichtungen: Schützenverein, Feuerwehr, Männerchor, Frauenchor, Sportverein, Reiterverein, Landjugend, Junge Gesellschaft, Schießgruppe.
Voitze liegt in Niedersachsen am südöstlichen Bereich der Lüneburger Heide im ehemaligen Zonenrandgebiet, ca. 4 km von der Grenze zu Sachsen-Anhalt entfernt und ca. 20 km nördlich von Wolfsburg. Die Kreisstadt Gifhorn befindet sich ca. 25 km in westliche Richtung. Überregional ist der Ort durch die B 248, die durch den Ort führt, verkehrlich erschlossen. Öffentliche Busverbindung gibt es zumeist im Stundentakt zu der Stadt Wolfsburg und zu der Kreisstadt Gifhorn. Im westlichen Bereich schließt sich ein größeres Waldgebiet, das als Naherholungsgebiet genutzt werden kann, an.
Die Gemarkungsfläche Voitze beträgt ca. 10,7 qkm. Diese Flächen werden fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Die weitaus größte Fläche besteht aus Ackerland. Es folgen Wald- u. Grünflächen. Die Grünlandflächen sind zusammen mit dem Viehbestand erheblich zurück gegangen.
Von 49 landwirtschaftlichen Betrieben, die 1949 vorhanden waren, betreiben heute nur noch 4 Großbetriebe die Landwirtschaft.
Milchviehwirtschaft, die früher fast in jedem ldw. Betrieb vorhanden war, gibt es in Voitze nicht mehr.
In der Nachkriegszeit entstanden in Voitze auch mehrere gewerbliche Betriebe, wie Maurerbetrieb, Sägerei mit Zimmerei, 2 Tischlereien, Landmaschinenwerkstatt mit Schmiede, 2 Gaststätten und 2 Gemischtwarengeschäfte.
Von den hier aufgeführten Gewerbetrieben sind heute sind heute noch zwei erfolgreiche Unternehmen vorhanden bzw. neu angesiedelt. Es handelt sich hierbei um einen Landmaschinenbetrieb sowie um eine Autoreparaturwerkstatt mit Neu- u. Gebrauchtwagenverkauf.
Im Jahre 1965 bauten die damals noch eigenständigen Gemeinden Wiswedel, Tülau und Voitze in Voitze eine Dörfergemeinschaftsschule, in der die Kinder aus diesen Orten beschult wurden.
Die Schule wird heute als Grundschule (1 – 4 Klasse) von den Kindern aus Tülau und Voitze genutzt.
Nach Ausgliederung von Schulklassen (ab 5. Klasse) wurden im Jahre 1973 zwei der Schulpavillions umgebaut und als Kindergarten genutzt.
Im Jahre 1974 vereinigte sich die bis dahin eigenständige Gemeinde Voitze im Zuge der Verwaltungsreform mit der Gemeinde Tülau-Fahrenhorst zu der Gemeinde Tülau.
Sie gehört seit 1974 zur Samtgemeinde Brome.
Heute gibt es im Ortsteil Voitze nachfolgend aufgeführte öffentliche Gebäude und Anlagen: Ehrenmal, Grundschule, Kindergarten mit Kinderkrippe, Feuerwehrgerätehaus, Schützenplatz mit Schützenhaus und Luftgewehrschießstand, Turn- u. Gymnastikhalle, Jugendtreff, Sportheim mit Sportplatz.
Des Weiteren steht eine Gaststätte mit Clubräumen und Saal für Veranstaltungen und Feiern zur Verfügung.
In nachfolgend aufgeführten örtlichen Vereinen und Institutionen kann man Freizeitbeschäftigungen finden und sich einbringen:
Sportverein Tülau/Voitze (Fusion 1972), Feuerwehr, Gesangverein (Gemischter Chor) Schützenverein, Schießgruppe, Junge Gesellschaft.
Die Vereine und Institutionen werden sicher die von ihnen durchgeführten Veranstaltungen näher erläutern und sind um neue Mitglieder bemüht.
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